Ist der Doktorplatz barrierefrei?

Besichtigung Doktorplatz am 24.08.2020

Die Besichtigung des Doktorplatzes in Rheda hatte zum Ziel, die Umgestaltung des Platzes hinsichtlich Barrierefreiheit zu prüfen. Dabei sind auch weitere Punkte aufgefallen, die in dieser Aufstellung genannt werden.

Pflasterarbeiten

Zunächst haben wir die Pflasterung geprüft. Hier ist festzustellen, dass die Hauptwege mit einem anderen Stein gepflastert sind, wie die Fläche des Platzes. Zur Entwässerung und Abgrenzung ist eine Rinne eingebaut worden. Diese Entwässerungsrinne ist in einer Vertiefung mit einem entsprechenden Kopfstein verlegt worden. Durch die Tiefe und den sehr unebenen Pflasterstein entstehen hier Stolperkanten.

Ein Test hat gezeigt, dass der Zugang zur Außengastronomie vom Hauptweg automatisch durch die Entwässerungsrinne führt. Dabei hat der Rollator in den Unebenheiten der Rinne blockiert, so dass ich als Nutzer des Rollators nach vorne auf den umgestürzten Rollator gefallen wäre. Das alles birgt ein hohes Verletzungsrisiko.

Auf der Hauptfläche des Platzes ist ein in der Oberfläche geglätteter Stein verbaut. Diese gute Absicht wird zunichte gemacht, da die Kanten des Steines nicht geglättet sind. Dadurch entstehen Fugen, die zum Teil mehrere Zentimeter breit sind. Die Fugen sind aufgefüllt worden, jedoch ist der Füllstoff zu weich, so dass das Rollatorrad auch schonmal in den Fugen stecken bleibt. Auch dabei entsteht eine hohe Sturz- und Verletzungsgefahr. Einzelne Steine fehlen ganz. Hier ist nur Fugenmaterial eingebracht worden. Auch hier ist das Einsinken und der damit verbundene Sturz quasi vorprogrammiert.

Grundsätzlich können auch Schuhe mit Pfennigabsätzen in die Fugen geraten, was zum Sturz der Person führen kann.

Beschilderung

Wie ich bereits öfter bemerkt habe, ist die Beschilderung, die auf innerstädtische Attraktionen aufmerksam macht nicht für alle lesbar. Ältere Personen, die einen entsprechend gekrümmten Rücken haben („Witwenbuckel“) sind nicht in der Lage, die Hinweise in mehr als 2,5 m Höhe zu lesen. Eine zweite Hinweistafel in 1 m Höhe die zusätzliche mit Blindenschrift (Brailleschrift) versehen ist, könnte so allen Besuchern nutzen.

Fußgängerampel

Die Fußgängerampel, die den Übergang zum Steinweg absichern soll, verfügt über einen Bedienknopf für die Grünanforderung. Diese ist für Menschen mit Einschränkungen der Sehkraft wertlos. Der Übergang ist jedoch wichtig, da er die Innenstadt mit dem Schlosspark verbindet.

Eine behindertengerechte Ampel sollte über ein zusätzliches akkustisches und sensorisches Signal (Vibration am Gehäuse) verfügen. So könnten auch Blinde und Menschen mit mehrfach Behinderungen (Taub und Blind) diese Ampel nutzen.

Außer den Mängeln für Menschen mit Behinderungen sind mir noch einige Ungereimtheiten aufgefallen. Diese betreffen vor allem den Kinderspielplatz.

Kinderspielplatz

Der Kinderspielplatz ist leider in der hintersten Ecke des Doktorplatzes zu finden. Hier drängt sich die Frage auf, warum die Kinder ins Abseits gestellt werden? Da auch die Bäume vor der Gaststätte Münze gefällt wurden, ist der Platz nicht beschattet. An sonnigen Tagen ist der Platz somit unbrauchbar.

Durch diese Lage des Spielplatzes ergibt sich ein weiteres Problem. Da tagsüber vor allem im „Carpe Diem“ die Außengastronomie von Eltern genutzt wird, ist der Spielplatz also so weit wie möglich von den Eltern entfernt. Eltern können somit nicht unmittelbar auf ihre Kinder einwirken und verlieren sie durchaus auch aus dem Blick. Speziell wenn viele Menschen auf dem Doktorplatz die Sicht versperren. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem, was eine unerkannte Gefahr darstellt.

Der Fluchtweg liegt direkt am Kinderspielplatz. Dieser ist durch die Bepflanzung mit Büschen nicht einsehbar. Für Straftaten in Zusammenhang mit  Kindesentführung/Pädophilie bietet der Fluchtweg mit den Büschen optimale Möglichkeiten. Es ist ein leichtes ein Kind vom Spielplatz zu entführen und über den Fluchtweg zu einem abgestellten Fahrzeug zu gelangen. Die Eltern können diese Tat aus den zuvor genannten Gründen kaum bemerken. Wenn sie ihren Kindern zur Hilfe eilen wollten, hätten sie den längsten möglichen Weg, nämlich Diagonal über den Doktorplatz, zurück zu legen.

Ich fasse die Kritikpunkte hier nochmal Stichwortartig zusammen

  • Pflasterung mit zahlreichen Stolperfallen und erheblicher Sturzgefahr
  • Beschilderung unzureichend und nicht für Blinde geeignet
  • Fußgängerampel nicht Blinden/Taub-Blinden geeignet
  • Spielplatz nicht beschattet
  • Lage des Spielplatzes ungeeignet

Als Resümee muss man wohl erkennen, dass die Umgestaltung des Doktorplatzes lediglich kosmetische Effekte hat. Eine Verbesserung ist nicht erzielt worden.

1 Kommentar

  1. Olav

    Sehr guter Bericht. Im privaten Bereich wird oftmals schon versickerungsfähiges, d,h. wasserdurchlässiges Pflaster verbaut. Warum nicht im öffentlichen Bereich? Auf die hinderlichen Regenrinnen könnte verzichtet werden. Auf Gehwegen könnte man auf das Quergefälle verzichten und somit die Abdrift Richtung Straße vermeiden. Ganz nebenbei hat dieses Pflaster noch weitere Vorteile …

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